Dokumentation
Todesfahrt im Fischerboot
Dokumentarfilm // 45min // HDV
im Auftrag des WDR, die story
Autor: Klaus Martens
Presse
31. Januar 2007 // Kölner Stadt-Anzeiger // Rainer Braun
Unaufgeregt
Die Bilder von den Flüchtlingen aus Afrika gingen und gehen um die Welt, noch immer säumen Wracks und die letzten Habseligkeiten der Gestrandeten die Küsten der Kanarischen Insel. Nicht bekannt ist hingegen die genaue Zahl derer, die den Traum von einem besseren Auskommen in Europa nicht überlebt haben. Die schlichten Grabstätten der unbekannten Toten auf dem Friedhof von La Gomera lassen erahnen wie groß der Leidensdruck jener war, die auf kleinen Fischerbooten die über 1000 Kilometer lange Fahrt durch den Atlantik riskierten und dafür ihr letztes Geld gaben. Denn für den illegalen Transport skrupellose Menschenhändler inzwischen bis zu 900 Euro pro Person.
Warum die Menschen ihre Heimat verlassen, haben Klaus Martens und Michael Grütz in „Alptraum im Fischerboot“ erkundet. Sie haben sich mit der Kamera im Senegal umgesehen, wo die Fischerei den Menschen einst eine Existenz versprach. Seit sich die EU bessere Fangquoten sicherte, sind die Erträge der Senegalesen und die Fischbestände in den küstennahen Gewässern drastisch zurückgegangen. Nicht von ungefähr sehen gerade jüngere Senegalesen keine Perspektive mehr im eigenen Land und setzten auf die letzte Ausfahrt Europa. Unaufgeregt in der Tonlage und mit aussagekräftigen Bildern lenkten Michael Grütz ihren Blick auf die Schattenseiten der Globalisierung. Entstanden ist unterm Strich nicht nur eine sehenswerte WDR-Reportage, sondern zugleich ein erhellender Beitrag über die Ursachen und Folgen einer Flüchtlingstragödie und einer verfehlten EU-Politik, die sich vor unseren Augen vollzieht.
